SV Niederau - ESV Dresden I 27:29 (13:19)

EIN ENDE IN SICHT...

Das letzte Spiel der Saison. Die Luft ist raus. Es geht um nicht mehr viel. Außer für einen, der will noch dritter werden. Es ist einer dieser Sonntage, an denen auch ich mit Adiletten in die Halle schlurfe.

Die Hinfahrt gestaltet sich als unangenehm. Erst laut, dann hitzig, zuletzt sehr leise. Eingequetscht auf der Rückbank, umringt von wabernden Alkoholausdünstungen. Ein komsiches Gefühl beschleicht mich.
Normalerweise sind die Rollen anders verteilt. Den stocknüchternen Part zu übernehmen, eröffnet ungwohnte Einblicke.
Wir kommen an. Hoffi lächelt. Die Stimmung ist skuril. Witze werden erzählt. Ein Spruchfeuerwerk zwischen Philosophen Dietrich und Bier im Beutel (BiB) Fiehler entflammt. Die Kabine lacht. Es ist bizarr. Beim ESV, wo sonst Emotionen Streng Verboten sind, scheint eine gewisse Leichtigkeit eingekehrt zu sein.
Die Ansprache wird vertagt. Aus Zeitmangel. Erstmal warm laufen. Die Halle ist ungewohnt kalt. Erst laufen. Hin und Her. Danach surren Bälle durch die eisige Luft. Staub wird aufgewirbelt. Irgendjemand hustet.
Etwas später zurück in der Kabine, Ruhe ist eingekehrt. Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm. Entspannt lausche ich den Hoffmannschen Klängen. Das meiste wie immer. Einiges Neu. Den Gegner bloß nicht unterschätzen. Der ESV hat Probleme im Keller. Irgendwas mit Rohrbruch. Schon oft gehabt.

Ich schüttle Hände. Zu viele. Rudelbildung. Hoffmann ruft etwas. Wir stimmen ein. Die Gegner zucken zusammen.
Ich stelle mich auf. Position JWD links. Fünf Leute neben mir. Einer dahinter. Ein schriller Pfiff und wir sind mitten drinn.

Erster Wurf, Kalle pariert. Ich sprinte. Der Pass sitzt. Allein vorm Tor. Drei Schritte. Irgendwas ist komisch. Wurf. Ein Schiedsrichter hebt beide Arme. Fieldgoal. Leider falsche Sportart. Schames Röte treibt mir ins Gesicht. Und wieder zurück. Es waren lange 30 Meter. Ich mache mir Mut. Der nächste sitzt. Bestimmt!
Die nächsten Minuten, solide! Ich habe nicht viel zu tun. Hinten wie vorne. Die Abwehr macht ihre Sache gut. Trotzdem 1. Tor für Niederau, Peter Lessig. Der ESV legt vier nach. 2. Tor Niederau, Peter Lessig. Der ESV legt drei nach. 3. Tor für Niederau, wieder Peter Lessig. Der ESV zeig sich unbeeindruckt und legt mindestens genauso lässig nach. Erneut.
Die Defensive des SV viel zu passiv. Gut für die ESV Rückraumshooter. Sebastian - Player of the Sonntag und BiB Fiehler haben leichtes Spiel. Frei nach dem Motto "wohin soll ich werfen?" - "Doll!" wird eingeschweißt. 17. Minute der ESV liegt mit 6 vorne. Ganz nett.
Niederau stellt um. Offensive 5:1 Abwehr. Bringt auch nichts. Weitere Tore vom Kreis und ungewohnt viele Konter halten den SV weiter auf Abstand. Ich habe mittlerweile auf der Bank Platz genommen. Perspektivwechsel hat noch keinem geschadet. Das Geschehen bleibt das gleiche. Luca wirft sich langsam warm. Noch mal drei Buden in den letzten sechs Minuten. Irgendwie rein. Aus Winkeln aller coleur. Schön! Abschlusstreffer Hohlfeld. Halbzeitstand 13:19. Das war leicht. Zu leicht.

In der Kabine, erheitertes Schweigen. Es gibt nicht viel zu reden. Immer weiter. Die Kupplerin verteilt Komplimente für das schöne neue Trainer T-Shirt. Schönstes Dinatrium-3,3′-[(1,1′-biphenyl)-4,4′-diylbis(azo)]-bis(4-aminonaphthalin-1-sulfonat). Kongo- oder ESV-Rot wie der Laie sagt.

Wieder Auf der Platte. Kurze verwirrung bei den Schiris. Jörg mit dem "Offiziellen D - Flecktarn" wird schief beäugt. Kann aber als 2. Hüter enttarnt werden.
Luca macht da weiter, wo er aufgehört hat und schenkt weiter ein. Eins nach dem Anderen. 33. Minute, es steht 14:21. Doch was dann folgt, sind unschöne Szenen. Sätze wie: "Weiter, das Spiel ist noch nicht gewonnen" lassen Ohren bluten. Eine richtige Sauerei. Der Wischer muss putzen. Der Wunsch nach einem Phrasenschwein wird lauter. Philosoph Dietrich mischt sich ein. Er kommentiert ausschweifend. Die Bank nimmts zur Kenntnis.
35. Minute, der ESV wäre nicht der ESV, wenn er Spiele nicht spannender gestalten würde als er müsste. ESV wie exponentialer Spannungs Verlauf.  
Bälle werden vertrullert. Würfe unpräzise platziert. Positionen gewechseln in Momenten, die nicht unpassender sein könnten. Der Trainer nimmts auf seine Kappe. Glück gehabt. Niederau verkürzt auf "Minus vier". Sonntag fasst sich ein Herz.
Weitere Zwei auf seinen Nacken. Alles für die Liebe. Coach Niederau schreitet ein. Auszeit. Scheinbar das nächste Mathegenie am start. Dachte wohl, es geht noch um was. Aber weit gefehlt. Trotzdem, er peitscht seine Mannen an. Nicht aufgeben.
Siehe da scheint zu klappen. Der ESV in Gedanken woanders. Vermutlich schon beim dritten Siegerpils. Verspielt die deutliche Führung. Zauberworte  wie TRF (Technische Regel Fehler) und SAA (Schlampige Abwehr Arbeit) schießen mir in den Kopf. Das Verhalten der Schiedsrichter kommt dazu. Vergleichbar mit einem Mathematiklehrer der sein Geodreieck nicht findet. Linie Verloren.
Zwei Minuten Strafen. Wie am Fließband. Massenproduktion. Manchmal berechtigt. Oft auch nicht. Die Heimfans pöbeln. Niederau erregt, angestachelt, aufgepeitscht. Macht lautstark mit. Ein letztes Aufbäumen. Ich frage "Warum?". Es ist Sonntag. Nachmittag. Also Chill.
Apropro Chill. Auch der Arm eines BamBam ist wie ein Regal beim Karstadt Sonderschlussverkauf. Irgendwann leer. Irgendwann dann, 56. Minute, Bälle fliegen. Aber nicht rein. Kühn beschwert sich. Rennen schadet der Gesundheit. Immer hin und her. 10 mal. Ohne Ballkontakt.
59. Minute, 27:28. Die Spannung steigt. Unsere Bank zittert. Nicht vor Angst. Jemand hat stark vibrierent gepupst. Ich rieche nichts.
60. Minute, Luca netzt ein. Treffsicher wie eh und je. Siegtreffer. Der SV kommt zwar nochmal an den Ball. Aber nix gewesen außer Spesen.

Fazit: Somit geht die Goldene Ananas an den ESV. Ich bin glücklich. Zwar nicht so erschöpft wie ich sein sollte. Aber dafür durstig. Egal. Der ESV hat es geschafft. Tatsächlich. Das Saisontief zu überwinden. Ein starker Schlusslauf mogelt uns vom zwischenzeitlich vorletzten auf den 4. Platz. Hoffi lächelt. SCHON WIEDER. Ich glaube er ist auch glücklich. Schwer zu sagen bei so viel Emotionen. Aber wenn der Hoffi glücklich ist, dann ist auch die Mannschaft glücklich, weil das bedeutet: FREIBIER!


Bank
Model-Hoffman, "Ich habe keine Single Freunde mehr" - die Kupplerin, "Vom Spieler zum Co-Trainer" - Philipp Jicha Junior

Tor
"Vong Prinzip her nehme ich mich viel zu wichtig" - The BOOOM, "Mini-Volleyball wär jetzt schöner" - der Offizielle D

Feld
"rein raus rein raus, wie zu haus" - das Laufwunder (1), "Lackschuhe und Jogga" - der Junge mit Stil (8), "Bier im Beutel, da spart man sich 1,50 Pfand" - der Sparfuchs (2), "Nr. 4 schmeckt komisch" - der Beißer (1), "mir bluten die Ohren" - Philosphen Dietrich  (1), "es war heut so stürmisch im Auto" - Le Frisur (0), "Was zum Fric, (ich mach mehr)" - der Nachfolger (8+1), "stabil, wie ein provisorisches Festivalzelt aus Gewebeband" - das Tapemonster (0), "Jungs - dann bis September!" - der Verschollene (2), "für mich gehts heut um alles" - der Tabellenkalkulationsprofi(5)

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