Elfenhafter Sieg a la carte
Als ich am Silvesterabend so über meine Vorsätze für's neue Jahr nachdachte, kam ich an 'gesünder und vor allem regelmäßiger essen' nicht vorbei. Nicht nur so mal zwischen Tür und Angel schnell die Käsestulle hinter schlingen, in den Naschtopf aufm Tresen beim vorbeigehen greifen und dann auf dem Nachhauseweg die Reste der Brotdose der Kinder vertilgen. Ordentliche Ernährung sieht anders aus. Aber dann fiel ich direkt in Woche 3 des Jahres wieder in alte Verhaltensmuster. Was soll ich sagen. Läuft. Dann muss ich eben wenigstens am Wochenende kulinarisch und nutritiv richtig reinhauen. Und da fiel mir ein, dass Elfencoach Vivi doch so richtig was am Herd kann. Sie kredenzt in regelmäßigen Abständen allen Liebhabern der Handball-Cuisine im Lokschuppen saisonale Gerichte und das wollte ich mir dieses Wochenende auf jeden Fall gönnen. Also ab dafür.
Nachdem der HV Chemnitz II schon in der Hinrunde zum Probeessen zu sich einlud und die Elfen austesten konnten, wie dieser diese Saison schmeckt, wo er doch jetzt in Staffel Ost statt Staffel West anpflanzt wurde, wollten die Elfen heute im Gegenzug auch lecker auftischen.
Chef de Cuisine Vivi musste allerdings erstmal das Lager durchschauen, was überhaupt heute so auf den Teller kann, denn letzte Woche wurden alle nochmal zum handballerischen Fasten verdonnert und so ein paar Schädlinge hatten sich doch noch in den hochwertigen Lebensmitteln eingenistet. Blieb nichts anderes übrig, als für das perfekte Dinner ein paar österreichische Spezialitäten auf den letzten Drücker zu importieren und sogar aus dem Frost wurden schon lang nicht mehr gesehene alte Reserven aufgetaut. Jetzt erstmal die Gerätschaften auf Betriebstemperatur bringen, den Ofen so langsam anheizen, die Küchencrew einschwören und los geht's in die Rückrunde.
Jana gab gleich mal Vollgas, warf ihr erstes Tor ins Vorspeisesüppchen und verabschiedete sich dann nach nur 0:44 min zur Raucherpause. Musst du erstmal bringen. Aber *SPOILER * alles nur Taktik, denn ich glaube sie hatte sowieso mehr Bock auf barkeepen heute. Auch Lea und Franzi schnippelten sich knackig aufs Salatbuffet und so stand nach 10 min ein solides 6:3 auf der Karte. Soweit so gut. Chemnitz entschied sich dann aber doch spontan nochmal für Carpaccio als Vorspeise und so wurde der Vorsprung innerhalb von nicht mal 2 min immer dünner bis schließlich der Ausgleich fiel (6:6), der zumindets bis zur 19. Min gehalten werden konnte (8:8).
Mit dem Hauptgang tat sich die Küchencrew aber ordentlich schwer. Beim Versuch die Gegner weichzukochen, geriet die Temperatur doch etwas außer Kontrolle und so kam am Ende häufig im Angriff nur ein undefinierbarer Brei heraus, der leider mit zu vielen technischen Fehlern gespickt war. Dann kam auch noch Pech dazu und der Ball wollte ein ums andere Mal das Netz wohl nicht von innen sehen. Vielleicht hat auch der ein oder andere zu viel am Harztopf genascht, was die feinen Geschmacksknospen etwas irritierte, sodass beim fein Abschmecken der Spielzüge häufig die entscheidende Prise irgendwas fehlte. Auch den im Ofen befindlichen Braten hatten die Chemnitzer schon längst gerochen und stellten sich gut auf angesagte Kombinationen ein, worauf wir leider nicht clever genug reagierten. Die Abwehr in dieser Phase war auch so medium. Das Ergebnis war ein 8:14 Rückstand zum Pausentee.
Die Chefin stampfte uns in der Kabine ordentlich zusammen. Forderte alle auf nochmal ihre Messer zu schärfen und der Abwehr mehr Biss zu verleihen. Auch der Angriff wurde nochmal neu angerührt und so sollte der Abwärtsstrudel endlich aufgehalten werden. Apropos Strudel. Nachdem der Hauptgang eher Kategorie 'bestellen wir nicht nochmal' war, wollten wir wenigstens mit dem Dessert punkten. Und wer einmal Lisas Zimtschnecken, Kyras Brookies oder andere süße Köstlichkeiten von Balliern und Elfen genießen durfte, weiß: Nachtisch können wir.
Hinten ließen wir jetzt nix mehr anbrennen und alles was doch noch irgendwie am Topfboden klebte wurde meisterlich von unserer Kerstin im Tor von der Linie gekratzt. Es wurde gequirlt und geknetet, bis die Abwehr-Mousse die perfekte Konsistenz hatte und was dabei raus kam war erste Sahne - vor allem mit unserem Topping Kirsche Ramona oben drauf, die ihren Job vorne in der 5:1 Abwehr richtig gut machte. Und mit diesem neuen Selbstbewusstsein aus der Defensive heraus ging es auch spritziger, temporeicher und druckvoller wieder nach vorn. Ihr erinnert euch - Jana bekundete schon zeitig im Spiel ihr Interesse für Ausschanktätigkeiten heute und nachdem sie sich hinter die Bar geschlichen hatte, servierte sie schon während des gesamten Dinners die Drinks eiskalt vom 7m Punkt. Und in Halbzeit 2 drehte sie nochmal richtig auf, übernahm Verantwortung und schenkte den Gästen munter einen nach dem anderen ein - ganze 13 Buden insgesamt, davon 10 alleine in der letzten halben Stunde. Das sorgte für den von allen stark erkämpften Ausgleich zum 19:19 in der 53. Minute. Extra Crunch wurde bestellt - die Crunchtime wurde geliefert. Dass das den Chemnitzern natürlich sauer aufgestoßen ist, könnt ihr euch denken. Zum Verdauen gab's erstmal doppelten Lea-Franzi- Espresso, aber unseren Bariste gelang dieser heute besonders bitter im Abgang aus Sicht der Gäste, denn am Ende stand ein 22:20 auf der Anzeigentafel.
Und wir lagen uns glücklich in den Armen. Sicherlich kein rundum perfektes Dinner, aber eins mit ganz viel Liebe gemacht. Mein Handball-Herz habt ihr heute nicht nur aus der Tiefkühltruhe befreit, sondern regelrecht zum Schmelzen gebracht.
Wer noch nicht satt geworden ist, konnte sich im anschließenden Krimidinner der M1 noch Nachschlag holen. Die überschüssigen Kalorien schwitzen wir dann nächsten Sonntag wieder raus, wenn es zum OHC Bernstadt geht.
Es tischten auf:
Chef de Cuisine Vivi und ihre Crew: Kerstin, Elisa (beide Tor), Ramona, Lucy (1), Janina, Lea (2), Franzi (5), Anne, Kyra, Caro, Jana (13/4), AnneK, Emi, Tara (1), Fanni
"Es ist schön zu sehen, dass ein Rückstand nicht mehr unbedingt bedeutet, dass wir uns geschlagen geben und nicht an einen Sieg glauben - das ist eine wunderbare Entwicklung, die wir als Team gebraucht haben"
Viviane Hauschild